Am 16. Mai 2008 ist die Ukraine Mitglied der Welthandelsorganisation geworden. Damit wurde der 2003 begonnene Prozess erfolgreich abgeschlossen. Früher wurde darüber diskutiert, wie die möglichen Folgen nach dem Beitritt für die Wirtschaft des Landes im Allgemeinen sowie für einzelne Bereiche sein werden. Heute stehen für die Ukraine die strategischen Anforderungen, wie die Möglichkeiten, die sich durch die WTO-Mitgliedschaft ergeben, effizient genutzt werden können, im Mittelpunkt.
Selbstverständlich sind diese Möglichkeiten von bestimmten Verpflichtungen abhängig, die das Land übernommen hat. Die Ukraine hat sich verpflichtet, den Einfuhrzoll zu senken. Dabei beträgt der durchschnittliche Einfuhrzollsatz für die landwirtschaftliche Produktion 11,16 Prozent, bei Industrieerzeugnissen sind es 4,85 Prozent. Zugleich ist für bestimmte Produkte wie Fleisch, Fisch und Fertignahrung eine Übergangszeit festgesetzt. Das erweitert die Möglichkeiten der ukrainischen Unternehmen, die notwendige landwirtschaftliche Technik und Ausrüstung zur Modernisierung der Produktionsbasen im Ausland zu beschaffen.
Darüber hinaus hat die Ukraine sich verpflichtet, den Ausfuhrzoll für eine Reihe von landwirtschaftlichen Produkten zu verringern, was zu einer Erweiterung des Angebots ukrainischer Produkte auf dem Weltmarkt führen wird. Die Rede ist in diesem Zusammenhang von Saatgut für Ölkulturen (Sonnenblumen, Leinsamen), von Vieh und Rohmaterial für Leder. Die Mitgliedschaft in der WTO erfordert die Abschaffung der Exportbeschränkungen und wird so den Produzenten von Getreidekulturen ermöglichen, aktiver auf den Weltmärkten tätig zu werden.
Außerdem hat sich die Ukraine damit einverstanden erklärt, keine Exportsubventionen zu erteilen. Dies verringert das Risiko, dass Sanktionen gegen die ukrainischen Exporteure auf Grund der Verletzung der Wettbewerbsprinzipien verhängt werden können.
Die Ukraine hat wie die übrigen WTO-Mitglieder die Verpflichtung übernommen, das Jahresniveau der Subventionen für den landwirtschaftlichen Bereich, der 3,43 Mrd. UAH (sog. "Amber Box" des WTO-Landwirtschaftsübereinkommens) beträgt, nicht zu übersteigen. Weiterhin kann die Ukraine jedes Jahr für die Programme der so genannten „Gelben Box“ bis zu 5 Prozent des jährlichen Bruttoproduktionswertes der Landwirtschaft ausgeben.
In die Bezugsperiode 2004 bis 2006 ist außer der Amber Box auch die Nicht-Nahrungsmittelhilfe für die „Gelbe Box“ in Höhe von 3,51 Mrd. UAH sowie 424 Mio. UAH in Form von „grünen Programmen“ zur Unterstützung der Produzenten in der Landwirtschaft eingeschlossen.
Wie alle WTO-Mitglieder wird die Ukraine keinen Beschränkungen für die „grünen“ Programme zur Unterstützung der Landwirtschaft unterliegen, wenn keinen Einfluss auf den Handel haben oder wenn dieser Einfluss minimal ist und unter dem Vorbehalt, dass diese Programme den Bedingungen, die im WTO-Abkommen über Landwirtschaft festgelegt sind, entsprechen. Dabei wird es nur von der Ukraine abgängig sein, inwiefern sie die genannten Instrumente effektiv anwenden kann, um zur Entwicklung der nationalen Landwirtschaft beizutragen.
Die Ukraine verpflichtet sich, die Bedingungen des WTO-Abkommens über die Sanitär- und Phytosanitärmaßnahmen zu erfüllen. Dies wird eine Überarbeitung des Systems in Übereinstimmung mit den Weltstandards erfordern. Daher gibt es allen Grund zu hoffen, dass die Mitgliedschaft in der WTO zu einem treibenden Faktor für die Modernisierung der Sicherheitsstandards bei der Herstellung von Lebensmitteln wird. Letztlich wird es bessere Chancen auf dem Weltmarkt sowie größere Zufriedenheit der ukrainischen Verbraucher zur Folge haben.
Wenn man die Folgen des WTO-Beitritts der Ukraine und die sich damit eröffnenden Möglichkeiten für das Land einschätzt, sollte man noch einen grundsätzlichen Aspekt in Betracht ziehen. Die WTO beschränkt sich heutzutage faktisch nicht nur auf Handelsfragen. Angesichts der dynamischen Entwicklung des Regulierungsprozesses in der Weltwirtschaft greifen die Regeln und Verfahren der WTO als zentrale Elemente zur Liberalisierung der weltweiten Wirtschaftskooperationen in die Handelssysteme ein und beeinflussen auch immer mehr die ursprünglich nationalen Bereiche des Wirtschaftslebens. Das bedeutet, dass die Mitgliedschaft in der WTO die Teilnahme an der Erarbeitung von Normen und Regeln der Wirtschaftspolitik in verschiedenen Bereichen beinhaltet, aber auch das Verständnis dafür, dass unter den Bedingungen der Globalisierung die Ausgestaltung der nationalen Wirtschaftspolitik immer mehr internationalisiert wird. So sind heutzutage Angelegenheiten wie zum Beispiel Preiserhöhungen für Lebensmittel durch den internationalen Markt geprägt. Nur durch effektive internationale Kooperation kann man auf diese Herausforderungen reagieren.
Die WTO-Mitgliedschaft gibt der Ukraine die Möglichkeit, sich den laufenden Verhandlungen anzuschließen, die die Fragen der Liberalisierung des Marktzugangs, Exportsubventionen und interne Agrarstützung betreffen und im Rahmen der Doha-Entwicklungsrunde durchgeführt werden.
Selbstverständlich muss die Ukraine als ein zukunftsweisender, einflussreicher Akteur auf dem Weltmarkt der landwirtschaftlichen Produktion deutlich erklären, welche Einstellung sie in Hinsicht auf Probleme, die die Weltöffentlichkeit beunruhigen, einnimmt. Hier geht es vor allem um die Verbindung der Entwicklung der Landwirtschaft mit dem Umweltschutz, um eine Effizienzsteigerung bei der Produktion von Lebensmitteln durch qualitativ bessere Technologien in der Agrarproduktion oder um die Entwicklung der ländlichen Flächen.
Die Teilnahme der Ukraine am Liberalisierungsprozess im internationalen Handel wird mit Sicherheit den Wettbewerbs zwischen nationalen und ausländischen Agrarproduzenten verschärfen. Folglich sind ständige Bemühungen zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit des nationalen Agrarsektors notwendig. Entscheidend wird hierbei sein, dass man versteht, welche Aufgaben die Produzenten und welche der Staat zu übernehmen haben.
Es muss hervorgehoben werden, dass die Berechnungen der quantitativen Auswirkung der WTO-Mitgliedschaft auf die ukrainische Landwirtschaft die Schlussfolgerung zulassen, dass die Befürchtungen, die in bestimmten Politiker- und Expertenkreisen hinsichtlich der negativen Auswirkung auf diesen Sektor durch den WTO-Beitritt vertreten sind, wirtschaftlich unbegründet sind. Zugleich muss betont werden, dass die erfolgreiche Entwicklung der Landwirtschaft in der Ukraine ernsthafte und langfristige Bemühungen erfordert, z. B. die technische und technologische Modernisierung der Landwirtschaft, den Ausbau entsprechender Infrastruktur, die Entwicklung von Beratungsdienstleistungen, die Bildung eines modernen Systems zur Standardisierung und Qualitätskontrolle sowie die Sicherung der Agrarproduktion und Lebensmittelherstellung oder die Modernisierung der landwirtschaftlichen Ausbildung.