Der ukrainische Markt bietet Chancen, die deutsche Unternehmen nicht verpassen dürfen. Für die Ukraine ist Deutschland nach Russland der zweitwichtigste Handelspartner. Fast zehn Prozent aller Güter, die in der Ukraine verkauft werden, kommen aus Deutschland. Und deutsche Unternehmen sind stark im Investieren. Weit mehr als fünf Milliarden US-Dollar sind aus Deutschland schon in die Ukraine geflossen. Im vergangenen Jahr übernahm die Commerzbank die Mehrheit an der ukrainischen Bank Forum für etwa 600 Millionen US-Dollar. Henkel Bautechnik legte im April den Grundstein für den Bau eines neuen Werkes in der Westukraine. Langfristig sollen 850 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Deutsche Firmen werden darüber hinaus vom WTO-Beitritt der Ukraine profitieren. Wenn Handelsbarrieren wegfallen, haben hochwertige deutsche Produkte einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Deutsche Firmen, die in der Ukraine produzieren, werden durch die WTO-Mitgliedschaft auch einen besseren Zugang zu Drittmärkten bekommen.
Made in Germany ist in der Ukraine gefragt, besonders auf dem boomenden Automobilmarkt. Davon können deutsche Exporteure, Zulieferer und Hersteller von Kfz-Teilen profitieren. 2007 wurden in der Ukraine etwa 540.000 neue PKW, LKW und Busse verkauft. Der PKW-Markt ist im vergangenen Jahr um 46 Prozent gewachsen. Die PKW-Dichte ist aber immer noch geringer als zum Beispiel in Ländern wie Polen: Es gibt gerade einmal 150 Autos pro 1000 Einwohner. Deutsche Unternehmen, die sich als Zulieferer in der Ukraine ansiedeln, profitieren von niedrigen Energiekosten und gut ausgebildeten Fachkräften.
Die Ukrainer können sich immer mehr leisten und sind auch bereit ihr Geld auszugeben. Das reale Netto-Enkommen ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. In Kiew liegt das Durchschnittseinkommen bei etwa 400 Euro im Monat. Langsam bildet sich eine Mittelschicht heraus, die bereit ist, zu konsumieren. Internationale Handelsketten haben die Ukraine als Absatzmarkt entdeckt. Eine Marktstudie der Beratungsfirma CB Richard Ellis hat ergeben, dass die Ukraine als Expansionsziel für große Einzelhandelsketten nach Indien auf Platz 2 in der Welt liegt. Einen besonderen Boom erleben zurzeit die Baumärkte. Im Dezember vergangenen Jahres öffnete ein Praktiker-Baumarkt in Donezk seine Pforten. Die Baumarktkette Obi ist ebenfalls auf dem Weg in die Ukraine.
Wer sich in Kiew, Donezk, Dnipropetrowsk, Odessa und anderen Städten umschaut, merkt dass überall neue Apartment- und Bürogebäude in die Höhe schießen. Im vergangenen Jahr hat die Baubranche um 14,4 Prozent zugelegt, die Baustoffindustrie ist um 12,8 Prozent gewachsen. In der Ukraine ist der Trend zur Eigentumswohnung oder zum Einfamilienhaus ungebremst. Denn die Immobilie ist für viele Ukrainer Investitionsobjekt und Altersvorsorge zugleich. Kredite für den Kauf von Immobilien werden großzügig vergeben.
Angeheizt wird der Bauboom durch die Fußball-Europameisterschaft 2012. Auf der Agenda steht nicht nur der Bau von Stadien, Straßen oder neuen U-Bahn-Strecken. Das Land braucht vor allem Hotels - jedoch nicht nur, um Fußball-Fans unterzubringen. Die Touristenbesuche haben sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. 2007 kamen 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt in die Ukraine und jedes Jahr werden es 20 Prozent mehr. In der Ukraine gibt es etwa 1.200 Hotels, von denen gerade einmal die Hälfte europäische Standards erfüllt. In Kiew sollen in Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft 47 Hotels gebaut werden. Bis 2011 sollen zehn Fünf-Sterne und 14 Vier-Sterne Hotels entstehen. Große internationale Hotelketten wollen in der Ukraine mehr als 40 Hotels errichten.
Von diesem Trend können deutsche Unternehmen profitieren. Die Ukraine ist eine Herausforderung, die sich lohnt, angenommen zu werden.