ukraine: Businessguide 2008


Schirmaier_sabellek

Michael Schirmaier Geschäftsführer, HHLA Rhenus Logistics Jörg Sabellek Leiter Vertrieb, HHLA Rhenus Logistics



 

Belieferung des ukrainischen Marktes über Hamburg

In den vergangenen sieben bis acht Jahren verzeichnete das ukrainische BIP ein durchschnittliches Wachstum von mehr als sieben Prozent. Die Bundesrepublik Deutschland gilt als zweitstärkster Handelspartner der Ukraine. Von den etwa 9,89 Millionen TEU, die der Hamburger Hafen im Jahr 2007 umgeschlagen hat, waren etwa 1,34 Millionen TEU für die Ukraine und die Russische Föderation bestimmt. Für die HHLA Rhenus Logistics, ein in Hamburg führendes Lager- und Kontraktlogistikunternehmen, ist Osteuropa und insbesondere die Ukraine ein besonderer Schwerpunkt.

Da heute die große Mehrheit begehrter Konsumartikel in ostasiatischen Ländern wie China, Thailand, Vietnam etc. produziert wird, stellt sich für Logistiker die Frage, auf welche, möglichst sichere, effektive und gleichzeitig kostenoptimale Weise, die Waren ihren Weg von Fernost nach beispielsweise Kiew finden können. Macht es Sinn, Importwaren, die für den ukrainischen Markt bestimmt sind, über ein Hamburger Logistikzentrum wie das Übersee-Zentrum zu steuern?

Man würde wohl zunächst annehmen, dass der direkte Seeweg per Container die ideale Option für einen Warentransport von etwa Shanghai über die Container-Häfen Odessa oder Iljitschowsk nach Kiew darstellt. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass eine Vielzahl von möglichen Hindernissen diesen Transport nicht immer zur besten Option macht. Gerade bei hochwertigen und/oder zeitsensiblen Gütern ist besonders darauf zu achten, dass der gewählte Weg auch der sicherste und schnellste ist. Der Seetransport zwischen Shanghai und Odessa birgt manche Risiken. Zum einen muss ein solcher Container in Constanza, Rumänien, umgeladen werden. Der gebrochene Transport stellt eine höhere Gefahr dar. Die Umladung kann Zeitverzögerungen bedeuten, z. B. wenn das Anschlussschiff verpasst wird, oder gar ein Beschädigungs- oder Verlustrisiko. Zum anderen müssen die Container Terminals an der ukrainischen Schwarzmeerküste selbst mit teils erheblichen Abfertigungsproblemen kämpfen. So verzeichnen die ukrainischen Häfen zwar ein stetiges Umschlagwachstum, stehen aber auch vor der schwierigen Aufgabe, diese Mengen effektiv zu bewältigen. So kommt es dort heute zu einer eher unbefriedigenden Abfertigungssituation mit unangenehm langen Wartezeiten, die durch die schwierige und ebenfalls sehr langwierige Zollabwicklung in der Ukraine teils sogar dramatisch verlängert werden können. Abgesehen von diesen Schwierigkeiten spricht aber bei einer Abwägung für Hamburg als geeigneten Logistikstandort auch, dass ein Seetransport von Shanghai nach beispielsweise Odessa in etwa das gleiche kostet wie ein Seetransport nach Hamburg, die Transitzeit nach Hamburg aber sogar kürzer ist.

Anhand eines Praxisbeispiels lässt sich aufzeigen, dass ein Konsolidierungslager für ukrainische Importe durchaus eine sehr sinnvolle Alternative sein kann. In den vergangenen zehn Jahren ist es der HHLA Rhenus Logistics mit ihren rund 200.000 qm Kontraktlogistikfläche im Hamburger Hafen gelungen, sich in der Lagerlogistik für den osteuropäischen Markt Vertrauen zu erarbeiten und sich gut zu etablieren.

In einer langjährigen Partnerschaft mit dem Hamburger Speditionsunternehmen Seabridge Transport GmbH führt die HHLA Rhenus Logistics beispielsweise für einen internationalen Konzern, der elektronische Konsumgüter aller Art, z. B. Mobiltelefone, Haushaltsgeräte, Fernseher etc. herstellt, ein großes Transitlager zur Belieferung des ukrainischen Marktes per LKW. Neben den Waren aus Fernost werden in unseren Hallen auch Waren aus den europäischen Produktionsstätten des Unternehmens angeliefert, so dass Hamburg durch seine geografische Lage den idealen Standort für ein Transitlager darstellt. In der Hochsaison werden hier auf ca. 25.000 qm hochwertig ausgestatteter Logistikfläche mehr als 100 LKW-Einheiten täglich be- und entladen. Vor, während und nach der Lagerung werden alle erdenklichen Serviceleistungen rund um die Ware, z. B. Labeln, Zählen, Verpacken, Scannen von Seriennummern, Qualitätskontrollen etc. vorgenommen. Moderne IT-gesteuerte Abläufe und Techniken unterstützen hierbei die operativen Prozesse.

Welchen Vorteil bietet nun ein Logistikzentrum in Hamburg, wenn die Ware für den ukrainischen Markt bestimmt ist? Die Logistikzentren der HHLA Rhenus Logistics befinden sich entweder innerhalb der Hamburger Freizone oder werden als Zolllager geführt. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass die Ware in beiden Fällen unverzollt und unversteuert gelagert werden kann. Besonders bei hochwertigen Konsumgütern kann sich somit ein Liquiditätsvorteil ergeben. Nach unserer Einschätzung gewährt der vorhandene Sicherheitsstandard einen weiteren wichtigen Vorteil, beispielsweise gegenüber vorhandenen Lagerkapazitäten außerhalb Hamburgs. Das Übersee-Zentrum ist mit moderner Sicherheitstechnik ausgestattet. Als trimodaler Standort, ganz von Wasser umgeben, ist die Zu- und Ausfahrt gut kontrollierbar. Und Hamburg verfügt auf Grund seiner bedeutenden und stetig wachsenden Logistikbranche insbesondere im Hafen über ausgezeichnetes Personal.

Die überwiegend im Container eintreffende Ware wird in Hamburg konsolidiert, auftragsbezogen kommissioniert und optimiert auf LKW verladen. Selbst für große, bedeutende Kunden kommt die Ware für ein Zielgebiet bzw. für einen Endkunden meistens aus vielen Containern. Eine Kommissionierung ist folglich notwendig – ob in Hamburg oder anderswo. Durch die Umladung aus dem Container in den LKW im Eingangshafen Hamburg ergibt sich für typische, leichte Volumenware im Konsumgüterbereich allerdings ein messbarer Kostenvorteil durch das höhere Ladevolumen. In einem 40-Fuß-Standard-Container können etwa 65 Kubikmeter genutzt werden. Ein 13,60 m langer Sattelauflieger kann dagegen bis zu 100 Kubikmeter laden. Darüber hinaus sind Transporte von Containern ins europäische Hinterland oft teurer, wenn der leere Container nicht direkt rückbefrachtet werden kann und dieser zu einem entfernten Leerdepot oder gar zum Löschhafen zurück gebracht werden muss. Weitere entscheidende Vorteile des LKW-Transportes sind dessen Flexibilität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Während beispielsweise Containertransporte per Bahn immer noch schwer berechenbar sind, benötigt ein ukrainischer LKW eine Rundlaufzeit von weniger als einer Woche, um seine Ware zuverlässig in Kiew abzuliefern und in Hamburg wieder neue Güter zu laden. In den ukrainischen Häfen kann es schon einmal deutlich länger als eine Woche dauern, bevor ein Container überhaupt an den Empfänger ausgeliefert werden darf und dann muss der Container auch noch die rund 500 km nach Kiew überwinden…

Die HHLA Rhenus Logistics GmbH wurde 2003 gegründet und ist aus dem ehemaligen Unternehmensbereich Läger und Distribution der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft hervorgegangen. Die Gesellschaft beschäftigt im Hamburger Hafen rund 200 Menschen und konnte seit ihrer Gründung ein erfreuliches Wachstum verzeichnen. Das Dienstleistungsangebot umfasst das logistische Spektrum von der Übernahme im Containerterminal bis zur Übergabe der Sendungen an die Empfänger. Dazu zählen die Containerumfuhr, containernahe Leistungen, das Packen von Import- und Export-Containern, die Übernahme der Bestandsführung, Kommissionierung, Konfektionierung bis hin zu komplexen Steuerungsaufgaben, Übermaß, Schwergut oder die elektronisch gesteuerte Zollabwicklung. Transportorganisation und Distribution runden das Leistungspaket des Unternehmens ab.

Weitere Informationen und Kontakt: www.hhla-rhenus.com