In dieser durch Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten Phase wird deutlich, wie nachhaltig sich die deutsch-chinesischen Beziehungen entwickelt haben. Sie basieren auf einem soliden politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlich-technologischen und kulturellen Fundament. Deutsche Unternehmen in China sind in ihrer Prognose für die fortgesetzte Entwicklung der chinesischen Wirtschaft zu Recht mehrheitlich optimistisch und beabsichtigen, ihre Aktivitäten im chinesischen Markt fortzusetzen oder sogar weiter auszubauen.
Mit der Veranstaltungsserie „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ (DuC), die unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Staatspräsident HU Jiantao und Bundespräsident Horst Köhler steht, haben wir Deutschland als wichtigen innovativen Partner Chinas erstmals in den neuen Wachstumsregionen des Landes – in Nanjing, Kanton, Chongqing und Shenyang sowie im Herbst in Wuhan – vorgestellt und sind dabei auf sehr große, positive Resonanz gestoßen. In zahlreichen Seminaren, Workshops und Ausstellungen haben deutsche Wirtschaft, Wissenschaft und Politik das drängende Thema „nachhaltige Stadtentwicklung“ aufgegriffen und Visionen zur Bewältigung der gerade auch in China gewaltigen Herausforderungen präsentiert. DuC wird seinen Abschluss im Rahmen der World Expo 2010 in Shanghai finden, die einmal mehr das weltweite Interesse auf China lenken wird. Unser Engagement im Rahmen von DuC wird sich, da bin ich sehr zuversichtlich, positiv auf die Geschäftschancen deutscher Unternehmen gerade auch in diesen neuen, dynamischen Wachstumszentren auswirken.
Bereits zum fünften Mal erscheint der Business Guide Deutschland China. Die Änderungen und Erweiterungen im Vergleich zum Vorjahr reflektieren die Dynamik, aber auch die Schwierigkeiten, mit denen die chinesische wie die deutsche Volkswirtschaft konfrontiert waren. Deutschland und China waren 2008 füreinander nicht nur erneut die wichtigsten Wirtschaftspartner in Asien und in Europa, unser bilateraler Handelsaustausch hat auch erstmals die „Schallgrenze“ von 100 Mrd. USD klar übertroffen.
Beide Regierungen sind sich einig über die strategische Bedeutung unserer Partnerschaft für die Lösung zahlreicher schwieriger globaler Herausforderungen, die vor uns liegen, etwa Energiesicherheit, Klimawandel und Umweltschutz. Sie alle können wir nur gemeinsam bewältigen.
Bei der Schaffung neuer politischen Rahmenbedingungen, die Öffnung und internationale Zusammenarbeit fördern, nicht Alleingänge oder Protektionismus, sehen sich Deutschland und China als natürliche Partner.
Beide Regierungen haben schnell auf die Wirtschaftskrise reagiert. Als große Exportnationen haben beide ein vitales Interesse an Marktöffnung und internationaler Zusammenarbeit. Die chinesische Einkaufsmission unter der Leitung von Wirtschaftsminister CHEN Deming im Frühjahr 2009 hat deutlich gemacht, dass China Worten Taten folgen lässt. Das eindrucksvolle chinesische Konjunkturprogramm hat entscheidende Impulse für eine Ankurbelung des chinesischen Binnenmarktes gegeben und bietet auch deutschen Unternehmen große Chancen der Beteiligung. Chinesische Partner wissen, dass deutsche Unternehmen weltweit führende Expertise beispielsweise im Umwelt- und Klimabereich, im Hochtechnologiesektor, im Maschinen- und Fahrzeugbau oder in der Chemie haben – aber auch in vielen anderen Gebieten. Sie sind an enger, fairer Zusammenarbeit mit China interessiert.
Unsere Länder haben auch bei global drängenden Themen wie Klima, Umwelt, Handel und Entwicklung weitgehend ähnliche Interessen. Auch das spiegelt der deutsch-chinesische Warenaustausch. Er zeigt ein außerordentlich starkes, anhaltendes Wachstum gerade bei diesen Zukunftstechnologien.
Im Lichte der dynamisch gestiegenen deutschen Investitionen in China wünschen wir uns noch weit mehr chinesische Investitionen in Deutschland. Angesichts der weiter wachsenden Wirtschaftskraft Chinas sehe ich hier noch erheblichen Raum für ein deutlich gesteigertes Engagement chinesischer Investoren in Deutschland.
Derzeit sind rund 500 chinesische Unternehmen in Deutschland aktiv; einige von ihnen sind bereits an der Börse Frankfurt gelistet. Sie sind dort ausdrücklich willkommen und genießen als Investoren die gleichen Rechte wie deutsche Firmen. Deutschland, in der Mitte Europas gelegen, ist ein ausgezeichneter Investitionsstandort. Als größte Volkswirtschaft Europas bildet das Land mit 83 Mio. Einwohnern einen hochinteressanten Absatzmarkt inmitten eines Wirtschaftsraums von 450 Mio. EU-Bürgern mit hoher und weiter steigender Kaufkraft. Die hohe Qualifikation seiner Arbeitskräfte und die ausgezeichnete Infrastruktur sprechen für einen Marktzutritt in und über Deutschland. Ich würde mir wünschen, in Zukunft noch mehr chinesische Unternehmen begrüßen zu dürfen.
Angesichts dieser engen Verflechtungen ist ein umfassendes und aktuelles Kompendium zu Strukturen und Charakteristika des anderen Wirtschaftspartners sowohl in China als auch in Deutschland wichtig. Es ist hilfreich für Nutzer in beiden Ländern und wird zu einer weiteren Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren Ländern beitragen – und damit zum Aufbau einer starken Partnerschaft mit Asien.