Seit 2007 ist China der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen. Dies ist nicht zuletzt auf die Dominanz von Kohle im chinesischen Energiemix zurückzuführen. Somit kann der Ausbau erneuerbarer Energien eine entscheidende Rolle bei den auch in China immer weiter ins Bewusstsein rückenden Bemühungen um Klimaschutz spielen. Das jährliche Investitionsvolumen Chinas in erneuerbare Energien ist inzwischen eines der höchsten der Welt und die Wachstumsraten sind beispiellos. Die Grundlage bildet dabei die chinesische Gesetzgebung für erneuerbare Energien. 2005 trat das erste chinesische Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in Kraft, das deren Förderung grundsätzlich festlegte. In der Folge wurden hierzu mehrere Ausführungsbestimmungen beschlossen. Unter anderem sind chinesische Stromversorger verpflichtet, bereits 2010 fünf Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. 2020 sollen 30 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammen. Auf internationaler Ebene ergibt sich eine Förderung erneuerbarer Energien zusätzlich aus der Möglichkeit, entsprechende Projekte gemäß dem Kyoto-Protokolls im Clean Development Mechanism (CDM) zu registrieren. Hierdurch generieren Projektbetreiber Zertifikate für vermiedene CO2-Emissionen, die dann im globalen Emissionshandel verkauft werden können.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht allerdings auch mit einer systematischen Förderung inländischer Industrien einher und entsprechend sind ausländische Unternehmen zunehmend mit Markteintrittsbarrieren konfrontiert. Besondere Priorität liegt dabei auf Ausbau und Entwicklung der Solar- und Windenergiebranchen. Dennoch ergeben sich durch den technologischen Vorsprung für ausländische Unternehmen weiterhin Geschäftsmöglichkeiten. Diese liegen allerdings eher im Zuliefererbereich als bei der Lieferung kompletter Anlagen.
Wasserkraft
Der wichtigste Träger erneuerbarer Energie in China ist das Wasser. Mit 170 GW (etwa 20 Prozent der installierten Gesamtkapazität Chinas) ist in China mehr Kapazität installiert als in jedem anderen Land der Erde. Die Wachstumsraten liegen bei Wasserkraft weiterhin im zweistelligen Prozentbereich, die Zielvorgabe für 2020 liegt bei 300 GW. Etwa ein Drittel der Wasserkraft wird momentan von kleineren Anlagen (< 50 MW) erzeugt, der Rest sind – oft umstrittene – Großanlagen wie beispielsweise der Dreischluchtenstaudamm, der 2012 seine endgültige Kapazität von 22 GW erreichen soll. Die Vergütung für Strom aus Wasserkraft liegt bislang unter derjenigen für konventionelle Energie. Hier wird in Pilotprojekten allerdings aktuell eine Anpassung vorbereitet. Zudem ergeben sich für kleinere Wasserkraftprojekte Möglichkeiten für zusätzliche Einnahmen aus dem CDM.
Die bereits lang anhaltende und intensive Nutzung von Wasserkraft hat dazu geführt, dass eine entsprechend gut aufgestellte Zulieferindustrie im Land vorhanden ist. Dennoch bestehen gerade bei technologisch besonders anspruchsvollen Projekten Chancen für ausländische Unternehmen.
Windenergie
Ende 2008 verfügte China bereits über die weltweit viertgrößten Windenergiekapazitäten. Allein gegenüber 2007 hatte sich die installierte Kapazität auf 12 GW verdoppelt (Deutschland: etwa 23 GW) und auch für 2009 wird ein weiterhin rasantes Wachstum vorausgesagt, sodass ein Aufstieg zum größten Windenergiemarkt der Welt in absehbarer Zeit zu erwarten ist. Das Gesamtpotential für Windkraft in China wird inklusive Off-Shore-Anlagen auf mindestens 1.000 GW geschätzt, das momentane Ziel der Regierung für 2020 liegt bei 100 GW. Die Vergabe geeigneter Standorte für Windparks erfolgt dabei bisher zumeist über Bieterverfahren. Sehr große Projekte werden auf nationaler Ebene ausgeschrieben, kleinere auch regional. Die Bieter konkurrierten dabei bisher in erster Linie über den Einspeisepreis des produzierten Stroms, sodass Preise für Windenergie in China im Vergleich relativ niedrig liegen (allerdings noch immer über denen für konventionelle Elektrizität). Zur Erhöhung der Planungssicherheit sind seit Mitte dieses Jahres allerdings feste Einspeisevergütungen vorgeschrieben, die jedoch weiterhin relativ niedrig liegen und je nach Region variieren. Förderung bekommt die Windenergie in China zudem durch Steuervergünstigungen und Inanspruchnahme von CDM-Privilegien.
Der Zugang für ausländische Unternehmen hat sich in den letzten Jahren als problematisch erwiesen. Bei den großen nationalen Bieterverfahren haben seit 2005 ausschließlich Projektvorschläge mit Anlagen chinesischer Turbinenhersteller den Zuschlag erhalten. Auch insgesamt hat sich der Anteil der lokalen Anlagen innerhalb weniger Jahre stark erhöht, sodass nur noch sehr wenige Anlagen ausländischer Anbieter installiert werden. Dabei hatte ein Großteil der westlichen Hersteller extra Produktionsstätten in China aufgebaut, um so den chinesischen Lokalisierungsvorschriften nachzukommen. Insgesamt sind im Bereich Windkraft in China 70 Prozent „local content“ vorgeschrieben und die lokale Industrie wird zudem über die Vergabe direkter Subventionen gefördert. Für ausländische Windparkbetreiber stellt die chinesische Vorschrift, dass an CDM-Projekten nur eine Minderheitsbeteiligung gehalten werden darf, ein Marktzugangshindernis dar. Als problematisch erweist sich auch die Netzanbindung neuer Windparks, obwohl diese für die Netzbetreiber nach dem EEG verpflichtend ist.
Trotz dieser Probleme bietet der Markt durchaus Potentiale für deutsche Unternehmen. So gibt es inzwischen zwar eine große Anzahl chinesischer Turbinenhersteller, allerdings ist der technologische Level noch deutlich unter westlichem Standard und oft erreicht die Effizienz lokal entwickelter Turbinen nicht das im Westen übliche Niveau. Zudem müssen viele der technisch anspruchsvolleren Komponenten weiterhin importiert werden. Dies trifft insbesondere auf größere Anlagen (1,2 MW und mehr) zu, sodass in diesem Bereich Steuererleichterungen für Importprodukte gelten.
Solarenergie
In der Photovoltaik (PV) muss in China deutlich zwischen Markt und Produktion unterschieden werden. Während die Nutzung von PV noch in den Kinderschuhen steckt, gehören die chinesischen Hersteller zu den weltweit dominierenden Unternehmen. 30 Prozent der weltweiten Nachfrage wird von chinesischen Unternehmen bedient (Tendenz steigend), ca. 98 Prozent der chinesischen Produktion gehen bislang in den Export. Insgesamt geht die Anzahl der chinesischen Unternehmen im Solarbereich in die Hunderte. Die Produktionskapazität steigt weiterhin schnell an, für 2010 wird von einer Produktion von 15 GW ausgegangen. Gerade nach dem durch die Weltwirtschaftskrise ausgelösten Nachfragerückgang bedeutet dies, dass in der chinesischen Solarindustrie große Überkapazitäten entstehen.
Das technologische Niveau der chinesischen Hersteller ist sehr unterschiedlich. Neben vielen Herstellern, die auf technologisch weniger anspruchsvolle Massenproduktion ausgerichtet sind, haben einige große Firmen Profite in Forschungsaktivitäten investiert. Insgesamt ist ein Trend zur verstärkten Produktion von Dünnschichtzellen zu erkennen, sodass der hier zunehmende Wettbewerb eine schnelle Entwicklung in diesem Bereich erwarten lässt. Vor allem bei Vorprodukten und Produktionsmaschinen sind die chinesischen Hersteller noch auf Importe angewiesen.
Der Nachfrageeinbruch aus den bisherigen Abnehmerländern hat in der chinesischen Führung zu der Erkenntnis geführt, dass die inländische Nachfrage nach Solarzellen erhöht werden muss. Zu diesem Zwecke wurde ein Programm zur gebäudeintegrierten PV-Installation auf den Weg gebracht, nach dem ebensolche Anlagen ab 50 KW mit bis zu 20 RMB (ca. 2 EUR) je Watt unterstützt werden. Zudem wurden auch erstmals Bieterverfahren für größere Solarkraftwerke, ähnlich den aus dem Windbereich bekannten Verfahren ausgeschrieben. Auch für Solarkraftwerke wird über einen festen Einspeisetarif nachgedacht. Insgesamt wurde für 2020 das Ziel von 10 GW installierter PV-Kapazität ausgerufen (momentan < 1 GW).
Weltweit führend in der installierten Kapazität und auch in der Herstellung ist China bei der solarthermischen Warmwasserbereitung. Zehn Prozent aller Haushalte haben eine entsprechende Anlage installiert. Der Weltmarktanteil Chinas liegt bei ca. 65 Prozent und der Markt ist noch längst nicht gesättigt. Für 2020 wird von einer Verwendungsquote von 30 Prozent bei den Haushalten ausgegangen.
Weitere Energiequellen
Großes Potential sind in der VR China auch bei der Verstromung von Biomasse und Abfall, Biogas und -diesel sowie bei der Beheizung und Klimatisierung von Gebäuden durch Geothermie vorhanden. Biomassekraftwerke werden durch einen Aufschlag auf den lokalen Abnahmepreis für konventionelle Energie gefördert. Für 2020 ist eine Vervielfachung der Kapazität auf 30 GW geplant. Auch für die Entwicklung bei Biotreibstoffen wurden ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2020 sollen hier insgesamt 12 Mio. Tonnen jährlich produziert werden, wobei ausdrücklich keine der Ernährung dienenden Pflanzen dafür eingesetzt werden dürfen.
Kontakt: www.oav.de