Deutschland konzentriert sich zunehmend darauf, Maschinen und Berufsausbildung weltweit im Gesamtpaket zu vermarkten. Dienstleistungen wie Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung sind hochwertige Ausfuhrartikel und „Training – Made in Germany“ ist von einer Qualität, die es zum Exportschlager prädestiniert. Strategische Partnerschaften erhöhen die Erfolgschancen für alle Beteiligten.
Die Zusammenarbeit von deutschen und ausländischen Partnern im Bereich der beruflichen Bildung hat sich die Initiative iMOVE auf ihre Fahnen geschrieben. Mit dem Ziel, Kräfte zu bündeln und Synergien zu schaffen, führt iMOVE Angebot und Nachfrage zusammen. Die zentrale Anlaufstelle hilft mit einem umfangreichen Serviceangebot deutschen Weiterbildungsanbietern bei der Erschließung internationaler Märkte. Gleichzeitig können sich ausländische Interessenten ausführlich über das deutsche System und seine Akteure informieren. Die enge Anbindung an die Bundesregierung garantiert deutschland- und weltweit hervorragende Kontakte zu staatlichen Stellen und Wirtschaftsverbänden.
iMOVE vermittelt das notwendige Know-how für den erfolgreichen Wettbewerb jenseits der Landesgrenzen. Mit Marktstudien, Strategie-Workshops und länderspezifischen Seminaren bereitet iMOVE deutsche Weiterbildungsanbieter optimal auf internationale Aufgaben und Herausforderungen vor. Die iMOVE-Delegationsreisen in Länder mit hohem Marktpotenzial bieten vielfältige Möglichkeiten zu persönlichem Austausch und unmittelbarem Erleben. Als zusätzliche Türöffner organisiert iMOVE Kooperationsbörsen und Messeauftritte in diesen Ländern.
Mit einem neuen Programm fördert die Bundesregierung jetzt industriell geführte Verbundprojekte, die innovative Lösungen für die nachhaltige Implementierung neuer Aus- und Weiterbildungsangebote in den Zielregionen Ägypten, China, Indien, Vietnam und arabische Halbinsel entwickeln. In diesen Regionen befindet sich die berufliche Ausbildung mittlerweile in einem rasanten Entwicklungsprozess.
China gehört zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation hat der zentral gesteuerte wirtschaftliche Reformprozess im Land eine neue Qualität erreicht. Damit verbunden ist die Zielstellung, in der Wirtschaft Qualitäts- und Produktivitätsmaßstäbe internationalen Formats zu erreichen. Dies führt auch im System der vorrangig noch staatlichen Einrichtungen der beruflichen Bildung zur starken Nachfrage nach Bildungsdienstleistungen, vor allem aus den industrialisierten Ländern. Deutschland und das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem genießen dabei in China eine hohe Wertschätzung und werden von potenziellen chinesischen Nachfragern bevorzugt.
Die chinesische Regierung will vor allem das Image gewerblich-technischer Ausbildung deutlich und nachhaltig verbessern. Deshalb findet ein langsamer Wandel in der bisher einseitigen gesellschaftlichen Fokussierung auf eine Hochschulausbildung hin zur zunehmenden Anerkennung einer handwerklichen Berufsausbildung statt. Sie umfasst in China heutzutage schon rund die Hälfte der Ausbildungen nach der neunjährigen Pflichtschulbildung. Allein im vergangenen Jahr haben sich im Reich der Mitte elf Mio. Berufsschüler neu eingeschrieben, womit ihre Gesamtzahl die 30-Mio.-Grenze überschritten hat.
Aber es herrscht noch immer ein starker Mangel an technischen Fachkräften. Laut Radio China International beträgt die Rate der gut oder hoch qualifizierten Techniker nur vier Prozent. Über die Hälfte der Beschäftigten in den Herstellungs- und Dienstleistungsbranchen sind ländliche Wanderarbeiter. Nicht einmal 20 Prozent von ihnen verfügen über eine fachliche Ausbildung. Mehr als 20 Mio. von ihnen sind in der derzeit herrschenden internationalen Finanzkrise arbeitslos.
Mit einer Anschubfinanzierung fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Bildung deutscher Bildungskonsortien, die wiederum mit ihren Angeboten die Beschäftigungsfähigkeit in den Zielregionen nachhaltig erhöhen können. Deshalb wird von den Bewerbern verlangt, betont praxisorientierte Konzepte für ihre Bildungsvorhaben vorzulegen. An einem Verbund müssen mindestens zwei Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft beteiligt sein. Die Konsortien sind gehalten, sich auf Schwerpunktthemen oder -branchen mit großer Nachfrage in den Zielregionen zu konzentrieren. Außerdem sollen die Vorhaben über die Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsmodulen deutlich hinausgehen und deren Implementierung vor Ort beinhalten.
Das konzertierte Handeln von Bildungsträgern ermöglicht es – anders als in isolierten Individualkooperationen mit ausländischen Partnern – sehr umfassende und breit angelegte Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten. Als eines der ersten kommt ein Konsortium in den Genuss der Förderung, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Ausbildung zum Betrieb zukunfts- und umweltorientierter Firmen der Oberflächentechnik in China zu etablieren. Federführend ist die Firma Zeh Metallveredelung in Stuttgart. Zeh verzinkt, vernickelt, verchromt und verkupfert Metalloberflächen, vor allem für die Automobilindustrie und im Energiesektor. Zu den deutschen Kunden von Zeh zählen die Zulieferer von Daimler, Porsche und BMW.
Ziel des von Zeh vorgelegten Ausbildungskonzepts ist die fach- und umweltgerechte Produktion von beschichteten Metallteilen in China. Ähnliche Projekte hat das Unternehmen bereits im Iran und in Aserbaidschan erfolgreich in Angriff genommen. Eine einfache fachbezogene Grundausbildung, mit der die Produktionsprozesse gesichert und analytische Rückschlüsse auf Produktions- und Verfahrensfehler gezogen werden könnten, gibt es in China derzeit nicht. Dabei bergen laut Horst Dettinger, Geschäftsführer der Firma Zeh, ein Technologietransfer und die damit verbundenen Schulungen in der Oberflächenveredelungstechnik großes Potential, die Effizienz in der Produktion zu steigern und den Umwelt- und Arbeitsschutz in der Branche zu verbessern. „Durch gut ausgebildete Fachkräfte werden die Betriebe in die Lage versetzt, ihre Produkte den internationalen Standards anzupassen und weltweit anerkannt vermarkten zu können. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Zudem werden nachhaltig Ressourcen geschont.“
Die industrielle Ausbildung erfolgt in kostengünstigen Kursen. Für die wissenschaftliche und praktische Qualifizierung der Studierenden und der Anwender aus der Industrie ist der Aufbau eines Schulungscenters mit Lehr- und Versuchsanlage in der Provinz Zhejiang geplant. Allein in diesem Gebiet befinden sich mehr als 2.000 kleine und mittlere Metall verarbeitende und Galvanisierungsbetriebe. Ergänzt wird das Programm durch die Installation eines E-Learning-Systems auf einem Zentralrechner zum Abruf über das Internet mit einer durch Passwort geschützten Zugangsberechtigung. Die Ausbildungsmodule wurden in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen (HTW) entwickelt, einem weiteren Konsortialpartner. Ziel ist die fundierte Ausbildung von 200 Fachkräften aus der Industrie pro Jahr. Neben den Anwendern werden aber auch chinesische Ausbilder geschult.
An einer Universität in der Provinz Zhejiang wird ein Masterstudiengang in Surface Engineering eingerichtet, der eine Partnerschaft mit der HTW Aalen und den Studentenaustausch ermöglicht. Dieser Universität wird im Rahmen des geförderten Projekts eine komplette Lehr- und Versuchsgalvanik sowie ein vollständig eingerichtetes Labor zur Verfügung gestellt.
Zur Verbesserung des Markenbewusstseins im chinesischen Markt engagiert sich ein weiteres Konsortium, die German Brand Academy Shanghai. Sie beabsichtigt die Gründung einer Berufsfachschule für Markendesign und Markenmanagement, eine wirtschaftliche wie kulturelle Herausforderung in China. Die Notwendigkeit von Markenbildung ist in den chinesischen Wirtschaftsmedien ständig präsent. Die geplante Ausbildung basiert auf den Angeboten der Berufsfachschule DFI Design Factory International in Hamburg, die ihrerseits über jahrelange Erfahrung in der Kooperation mit chinesischen Bildungspartnern verfügt. Vor Ort arbeiten die deutschen Verbundpartner mit dem Shanghai Arts & Crafts Vocational College und der renommierten Jiaotong Universität zusammen. Das College mit über tausend Studierenden in verschiedenen Bereichen des Kommunikations- und Werbedesigns erscheint als idealer Partner des Verbundes. Jiaotong als Qualitätsmarke befördert die Vermarktung des Angebots.
Gerold Muhr, Projektleiter der DFI und Konsortialführer, begründet den bislang sehr guten Fortschritt der Geschäftsbeziehungen mit China auch mit der chinesischen Herkunft von Professor Shan Fan, einem der Geschäftsführer und Gesellschafter der DFI, der in beiden Kulturkreisen zu Hause ist. Muhr schwört auf die Außenwirkung, die die Unterstützung des Bundesbildungsministeriums hat: „Seit unser Projekt unter der Flagge der deutschen Regierung segelt, ist das Interesse der Chinesen exponentiell gewachsen. Führende Colleges stehen Schlange, um mit uns kooperieren zu können. Politische Unterstützung ist eine ausgezeichnete Einstiegshilfe in den Markt.“
Kontakt:
www.imove-germany.de