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Mütter und Kinder kommen bald zur Vorsorge ins neue Andersen Medical Center. Auch bei schweren Erkrankungen — HIV, Malaria, Typhus — finden sie hier Beratung und Behandlung.
Das Schicksal von Chepchoina, einer abgelegenen Region Kenias nahe der ugandischen Grenze, ist exemplarisch für weite Teile Afrikas: Ein Großteil der Bevölkerung lebt von der Subsistenzlandwirtschaft. Das Bildungssystem ist in einem miserablen Zustand. Die staatliche Gesundheitsversorgung ist rudimentär und deckt gerade die Grundbedürfnisse ab. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung sind HIV-infiziert. Malaria ist allgegenwärtig. Diese Kombination aus Armut, Krankheit und fehlenden Bildungschancen bietet eine denkbar schlechte Voraussetzung für Entwicklung.
Ein PPP-Projekt zwischen Mount Elgon Orchards Ltd. (MEO) und der DEG soll das jetzt ändern. MEO ist ein vom kenianischen Flower Council und vom holländischen Blumenlabel MPS zertifizierter Blumenzuchtbetrieb. Das Unternehmen setzt sich seit vielen Jahren gegen Armut und Krankheit ein und engagiert sich mit vielen Aktivitäten für die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Gemeinde. In einem gemeinsamen PPP-Projekt mit der DEG baut MEO nun das „Andersen Development Village (ADV)“. Nach Fertigstellung wird das ADV eine Grundschule beherbergen. Außerdem entsteht ein Neubau mit besserer Infrastruktur und Ausstattung für medizinische Einrichtungen. Im „Anderson Medical Centre“ werden dann neben einer Klinik ein HIV/Aids-Zentrum sowie ein Labor untergebracht sein. Dort können pro Jahr bis zu 25.000 Patienten auf HIV, Malaria, Typhus und andere schwere Krankheiten untersucht werden und entsprechende Behandlung erhalten. Während des ganzen Prozesses arbeitet MEO eng mit der Gemeinde zusammen. Eine eigens gegründete gemeinnützige Stiftung soll das ADV im Sinne der Gemeinde führen. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Bildung und der gesundheitlichen Versorgung und gibt den Menschen in Chepchoina wieder eine Perspektive.
„Wir sind ein Teil der Region Chepchoina“
Dr. Bea Andersen-Schipper, Geschäftsführerin von Mount Elgon Orchards Ltd. und Treuhänderin des Mount Elgon Trusts, nimmt die Verantwortung für ihre kenianischen Arbeitnehmer ernst.
Frau Dr. Andersen-Schipper, warum engagieren Sie sich in Chepchoina so weit über Ihr Kerngeschäft hinaus?
Wir zahlen unseren Arbeitnehmern gute Gehälter, sodass sie sich und Ihren Familien einen guten Lebensstandard sichern können. Leider wird die Region jedoch von der Regierung vernachlässigt: gemeinschaftliche Einrichtungen – speziell im Bildungs- und Gesundheitssektor – fehlen. Wir sehen uns als Teil der hiesigen Gesellschaft. Deshalb verstehen wir unser Engagement als natürlichen Beitrag und als Hilfe für die Menschen, die keinen anderen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung haben.
Welche Bedingungen haben Sie in Chepchoina vorgefunden?
Chepchoina kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückschauen: Über weite Teile des 20. Jahrhunderts blühte der Bezirk auf und wurde zu einer der produktivsten Anbauregionen des Landes. Investitionen der Zentralregierung in die Region blieben jedoch weitgehend aus, sodass die Entwicklung fast gänzlich zum Erliegen kam. Als ich im Jahr 2003 aus den Niederlanden nach Chepchoina zog, fehlte es an allen Ecken und Enden. Es gab keine ausgebauten Straßen, keine Elektrizitäts- und Telekommunikationsnetzwerke, kein ausreichend sauberes Wasser, keine Gesundheitseinrichtungen und keine Schulen.
Warum konzentriert sich MEO auf die Bereiche Gesundheit und Bildung?
Armut ist allgegenwärtig und ansteckende Krankheiten sind weit verbreitet. Ohne unseren Einsatz müssten viele Menschen unnötig sterben. Die bessere Gesundheitsversorgung unserer Arbeitnehmer führt zudem zu größerer Produktivität. Auf diese Art und Weise profitieren beide Seiten.
Welche Schwierigkeiten gab es bei der Umsetzung des Projekts?
Generell war es schwierig, in der Gemeinde ein Bewusstsein für Gesundheits- und Bildungsthemen zu schaffen. Speziell war es in diesem Zusammenhang mühsam, Familien davon zu überzeugen, auch Mädchen in die Schule zu schicken. Probleme gab es auch bei der Beschaffung von Lizenzen und Genehmigungen von der Regierung. Durch die Einbindung der Bevölkerung in die Planung und Umsetzung des Projekts konnten die Schwierigkeiten aber weitgehend überwunden werden.
Wie hat die Zusammenarbeit mit der DEG funktioniert?
Ohne die Unterstützung der DEG wären die Entwicklungen des Andersen Development Villages und der Gemeinde nicht möglich gewesen. Wir fühlen uns durch den DEG-Ansatz sehr unterstützt und ermutigt. Seitdem wir mit der DEG kooperieren, hat sich auch die Zusammenarbeit mit der Regierung deutlich verbessert. Sie setzt sich mittlerweile sehr für den Bau unseres Krankenhauses und unserer Schule ein.