africa: Businessguide 2010



Kompetenzportrait Investionsstandort

S.E. Alphonse Ralison

Botschafter der Republik Madagaskar

Republik Madagaskar


Tourismus als führender Wirtschaftszweig
Jedes Jahr besuchen etwa 10.000 deutsche Touristen Madagaskar – angezogen von der einzigartigen Artenvielfalt in Flora und Fauna und den tropischen Urlaubsresorts. Madagaskars Teilnahme an der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin soll mittelfristig einen konstanten Strom von Ökotouristen anziehen, die unsere großartige Insel entdecken möchte. Mit speziellen Anreizen und durch eine Verbesserung der Tourismus-Infrastruktur, will Madagaskar seine Touristenzahlen steigern und in erster Linie den auf der jüngsten politischen Krise beruhenden Rückgang des Touristenstroms, der die Branche schwer getroffen hatte, wieder umzukehren. Madagaskar ist im deutschen Fernsehen nach wie vor ein beliebtes Thema. Abgesehen von einigen wenigen Sensationsberichten über die Armut im Land genießt Madagaskar allgemein unter Tierliebhabern und wohltätigen Förderern einen guten Ruf. Hauptfokus der beidseitigen Zusammenarbeit liegt im Schutz der Artenvielfalt des Landes. Es besteht die Hoffnung, dass zukünftig auch Direktflüge von Deutschland nach Madagaskar angeboten werden können; dies hängt jedoch von der Auslastung der organisierten und gecharterten Reisen ab. Madagaskar verfolgt den Grundsatz des „Open Sky“, von dem europäische Fluggesellschaften wie die Corsair, eine Fluggesellschaft des TUI-Konzerns, bereits heute profitieren.

Die Erschließung neuer Märkte
Alle Ergebnisse des Jahres 2008 belegen eine für ein Entwicklungsland wie Madagaskar ansehnliche Wirtschaftsleistung, wie etwa ein BIP-Wachstum von 7,2 % in dem Zeitraum von 2007 bis 2008. Madagaskar verzeichnete 2008 ausländische Direktinvestition in Höhe von 833 Millionen USD, womit das Land zu den zehn besten Investitionsstandorten Afrikas zählt. Der Großteil der Produktion Madagaskars beruht auf der Rohstoffförderung von beispielsweise Mineralsand (850 Millionen USD), Nickel (3,8 Milliarden USD), Chrom, Granit, Grafit usw. In den kommenden zwei Jahren sollten Ergebnisse über die Suche nach Öl, Eisen und Gold in unterschiedlichen Gegenden des Landes vorliegen. Zum Zweck der Implementierung einer sogenannten Good Governance, also einer verantwortungsbewussten Regierungsführung, hat Madagaskar Norwegen um Unterstützung im Bereich Ölmanagement gebeten und ist der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) beigetreten.

Der primäre Wirtschaftssektor bleibt im Hinblick auf die Zahl der Arbeitskräfte auch künftig der größte des Landes (75 % der auf 20 Millionen Einwohner geschätzten Bevölkerung). Eine verbesserte und besser vernetzte Infrastruktur soll die finanziellen Erträge nach und nach weiter fördern. Madagaskar hat sich das Ziel gesetzt, sich mit Nahrungsmitteln selbst versorgen zu können und zudem in absehbarer Zeit beispielsweise Reis zu exportieren (die Reisproduktion soll bis 2010 auf 10 Millionen Tonnen angestiegen sein). Der Wirtschaftszweig Fischerei (in erster Linie Krabbenfang) muss sich im Hinblick auf die europäischen und asiatischen Märkte zügig an neue Standards anpassen. Eine Landreform soll eigenständige Landwirte und landwirtschaftliche Betriebe bei der Steigerung ihrer Produktivität unterstützen, dazu sollen bis 2010 etwa 300.000 Urkunden über Grundeigentum erteilt werden. Madagaskar verfügt über einen großen Markt für Düngemittel, ertragreiches Saatgut und kleinere Maschinenausrüstung. Deutsche Unternehmen sind noch nicht in allen der oben genannten Wirtschaftszweige vertreten.

Madagaskar baut darüber hinaus auch eine Reihe von Cash Crops an, also Feldfrüchte, die speziell für den Verkauf und Export kultiviert werden. Hierzu gehören beispielsweise Vanille, Kaffee, Kakao und Gewürznelken, Diese werden in einzigartigen Lagen angebaut. Deutschland importiert zum Beispiel jährlich 400 t Vanille und 3.000 t Litschis aus Madagaskar. Einige deutsche Unternehmen unterstützen einheimische Bauern heutzutage beim Anbau bestimmter Feldfrüchte wie beispielsweise Kakao und Purgiernuss für bestimmte Märkte. In Vorbereitung sind zwei groß angelegte Projekte: „Malagasy Future Farmers“ mit dem Freistaat Bayern und das „Kakao-Projekt“ mit der Schokoladenbranche.

Stärkung des privaten Unternehmertums
2008 wurde der 150. Jahrestag des ersten Abkommens zwischen Deutschland und Madagaskar gefeiert. 2007 unterzeichneten die beiden Länder eine Vereinbarung zum Schutz von Investitionen und so sieht man heute relativ häufig Unternehmer, die aus geschäftlichen Gründen zwischen Deutschland und Madagaskar hin und her reisen. Neben bekannten deutschen Marken machen sich mittlerweile auch kleine und mittlere Unternehmen einen Namen, in erster Linie in den Bereichen Tourismus, Landwirtschaft und nachhaltige Energieerzeugung. Viele dieser Unternehmen entstanden aufgrund von Möglichkeiten, die sich dank bilateraler technischer Zusammenarbeit eröffneten. Andere maßgebende Initiativen umfassen Deutschlands Teilnahme an der Madagascar International Fair, einer Messe, die jedes Jahr im Mai in Antananarivo stattfindet. Zudem besuchten Delegationen der Industrie- und Handelskammern von München, Hamburg und Potsdam des Öfteren eine Reihe von Städten in Madagaskar. Als Zeichen des wachsenden Vertrauens zwischen den beiden Ländern gilt die Eröffnung einer madagassischen Bank für mittelständische Unternehmen mit Hilfe der KfW Bankengruppe und weiteren ausländischen Partnern.

Im Übrigen besuchen Delegationen und Einzelunternehmer aus Madagaskar verschiedene deutsche Städte. So organisierte beispielsweise der madagassische Unternehmerverband FIVMPAMA eine bedeutende Ausstellung von Kunstwerken in Berlin (November 2008). Das Unternehmen InWEnt organisiert seit 2004 jedes Jahr thematische Seminare (Landwirtschaft, nachhaltige Energieerzeugung), an denen in München 20 Madagassen teilnehmen (Beamte, Geschäftsleute, interessierte Privatleute, Wissenschaftler…). Die Hamburger Handelskammer unterhält zu ihren madagassischen Partnern eine starke Partnerschaft und berät zu Themen wie „Dual formation“ oder zur Stärkung des Managementprogramms der Kammern. Die Sparkasse Hamburg und die Internationale Sparkassenstiftung fördern die Umstrukturierung der Caisse d’Epargne de Madagascar (CEM), Privatgalerien präsentierten Kunstausstellungen in der deutschen Hauptstadt, und zahlreiche madagassische und deutsche Musiker besuchten das Partnerland und gaben öffentliche Auftritte in den Medien.

Der Privatsektor Madagaskars muss noch gestärkt werden, um regionalen und internationalen Standards zu entsprechen. Die Wiederaufnahme von 22 Industrie- und Handelskammern soll zur Interaktion von Märkten und Unternehmern beitragen. Der Ausbau der Leistungsfähigkeit auf dem privatwirtschaftlichen Sektor soll den sozialen Dialog und die Transparenz auf dem Markt letztlich verbessern.

Regionale Plattform – Madagaskar und die SADC

Dank der Lage Madagaskars kann der Handel zwischen allen südafrikanischen Staaten und den Inselstaaten im Südwesten des Indischen Ozeans verbessert werden. Madagaskar kann diese Länder mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen beliefern. Auch die Fertigungsindustrie könnte von den Anreizen, die das madagassische Investitionsrecht bietet, profitieren. Zwei der Häfen des Landes, Toamasina (Ostküste) und Taolagnaro (Südküste), erarbeiten sich derzeit regionale Standards in den Bereichen Warenumschlag und Service. Ab 2008 entfallen in dieser 16 Staaten umfassenden Gemeinschaft Zollabgaben und Handelsbarrieren für Importe aus Ländern der SADC.

Botschaft der Republik Madagaskar

Seepromenade 92
14612 Falkensee
Tel.: +49 30 / 23 14-0
Fax: +49 30 / 23 14-29
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de
Internet: www.botschaft-madagaskar.de


Länderinformation:


Republik Madagaskar
Staatsform: Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt: Präsident Marc Ravalomanana
Hauptstadt: Antananarivo
Fläche: 587.041 km2
Bevölkerung: ca. 20 Mio. Einwohner
Korrespondenzsprachen: Madagassisch, Französisch, Englisch
Währung: 1 Ariary = 5 Iraimbilanja

Wirtschaftslage
BIP 2008: 6,81 Mrd. EUR
BIP pro Kopf 2008: 770 EUR
Reales BIP-Wachstum 2008: 2,1%
Prognose 2009: -0,2%
Inflationsrate 2008: 9,2%
Prognose 2009: 9,4%
Gesamtimport 2008: 1,78 Mrd. EUR*
aus Deutschland: 59,0 Mio. EUR
Gesamtexport 2008: 912,2 Mio. EUR*
nach Deutschland: 70,8 Mio. EUR

* geschätzt

Quellen: Botschaft der Republik Madagaskar in Berlin, IWF, Weltbank, Statistisches Bundesamt