africa: Businessguide 2010



Kompetenzportrait Investionsstandort

S.E. Cándido Rivas

Botschafter der Republik Äquatorialguinea

Republik Äquatorialguinea


Mit einer Fläche von 28.000 km², in etwa so groß wie Brandenburg, übersieht man Äquatorialguinea auf der Landkarte leicht. Jedoch ist das Land gemeinsam mit Nigeria und Angola einer der wichtigsten Energielieferanten in Subsahara-Afrika, mit bedeutenden Öl- und Erdgasvorkommen.

Das Staatsgebiet von Äquatorialguinea setzt sich aus fünf Inseln und einer Region auf dem Festland an der afrikanischen Westküste zusammen, mit zwei auf dem Reißbrett gezogenen Grenzen zu Kamerun und Gabun. Die Hauptstadt Malabo liegt auf der Vulkaninsel Bioko. Nach UN-Schätzungen hatte das Land 500.000 Einwohner im Jahr 2007. Andere Quellen, die sich auf Regierungsangaben stützen, sprechen von 1,1 Millionen Menschen. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt auf dem Festland; unter den verschiedenen Ethnien gehören die meisten zu den Fang.

Das heutige Staatsgebiet war 190 Jahre lang spanische Kolonie, die einzige in Subsahara-Afrika. Spanisch ist auch heute noch erste Amtsprache. Im Jahr 1968 erreichte das Land die Unabhängigkeit. Wegen der machtorientierten Politik der örtlichen Machthaber und der instabilen politischen Lage war das Interesse der demokratischen Industriestaaten für die Entwicklung Äquatorialguineas jedoch gering. Noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts blieb das Land selbst für global agierende Wirtschaftskonzerne „terra incognita“. Erst der globale Appetit auf Rohstoffe führte zu einer genaueren Analyse des Wirtschaftspotenzials von diesem Teil Zentralafrikas.

Große Gas- und Ölvorkommen
Durch die reichen Erdölvorkommen, die Anfang der neunziger Jahre im Golf von Guinea entdeckt und bereits vor der Jahrtausendwende von großen amerikanischen Konzernen ausgebeutet wurden, florieren Äquatorialguineas Entwicklung und Wachstumszahlen. Auf dieser Grundlage hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, ein „afrikanischen Kuwait“ zu schaffen. Nach Angaben der OECD betragen die gesicherten Erdölvorräte mindestens 1,8 Millionen Barrel. Auf Bohrinseln werden heute täglich 400.000 Barrel gefördert, bis 2010 sollen es 600.000 Barrel sein. Nach Nigeria und Angola ist Äquatorialguinea der größte Erdölexporteur südlich der Sahara. Die Erdgasvorkommen sind vielversprechend, auch wenn insgesamt zusätzliche Explorationen nötig sind. Die Gasförderung begann im Jahr 2007 mit der Inbetriebnahme von Anlagen zur Gewinnung von Methanol. Im Mai 2007 wurden die ersten Anlagen zur Gasverflüssigung in Betrieb genommen. Dadurch rückte Äquatorialguinea auf Platz 14 in der Rangliste der Flüssiggasproduzenten vor. Eine entscheidende Rolle im neuen Gasinfrastrukturprojekt, das die Konstruktion einer zweiten Gasverflüssigungsanlage zum Ziel hat, spiel E.ON Ruhrgas.

Aufbau einer modernen Infrastruktur
Dank der Erdöl- und Gassparte weist die Wirtschaft Äquatorialguineas seit Ende der 1990er Jahre beeindruckende Wachstumsraten auf. Der Anstieg des Bruttosozialprodukts lag 2007 bei 10,6 Prozent; es betrug 10,5 Milliarden USD. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen gehört Äquatorialguinea zu den reichsten Ländern Afrikas. Die Bevölkerung ist trotzdem weiterhin sehr arm. Sowohl die Wohnverhältnisse wie auch die Trinkwasserversorgung müssen als mangelhaft bezeichnet werden.

Die Regierung nutzt die Einkünfte aus der Erdöl- und Erdgasproduktion, um den enormen Bedürfnissen bei der Entwicklung des Landes gerecht zu werden und um die Lebensverhältnisse der Menschen auf wirksame Weise zu verbessern. Im November 2007 vereinbarte die zweite Nationale Wirtschaftskonferenz ein breites Programm zur Unterstützung der Landwirtschaft, der Infrastruktur, der Dienstleistungen und des Tourismus. Mit Hilfe präziser Maßnahmen versucht man die Wirtschaftsstrukturen auf lange Zeit zu diversifizieren. Die Regierung strebt ebenso die Verbesserung der Bildung und der Gesundheit an. Im Land fehlt es weiterhin an Fachkräften: Handwerker, Ingenieure, Lehrer, Ärzte und Verwaltungsangestellte. Daher wird bei allen Projekten die Hilfe ausländischer Firmen und ihrer Mitarbeiter benötigt. Die wirtschaftliche Aktivität konzentriert sich vor allem auf Malabo und die Küstenstadt Bata. Dank der Erweiterung des Straßennetzes, die mit Unterstützung der Europäischen Union und der Volksrepublik China große Fortschritte macht, werden in Zukunft auch Gegenden des Landes urbanisiert werden, die bis jetzt schwer zugänglich sind.

Vertiefung der Beziehungen
Dank des Erdölbooms der letzten Jahre konnte die Regierung das Außendefizit des Landes in kurzer Zeit reduzieren. Bis 2010 wird Äquatorialguinea den Status eines Schwellenlandes erreicht haben. Mit Maßnahmen gegenüber der internationalen Gemeinschaft, die das Vertrauen fördern und mit dem Bestreben, monetäre Stabilität und Rechtstaatgarantien zu erreichen, versucht Äquatorialguinea ein gutes Klima für ausländische Investoren zu schaffen.

Der Staat bezeichnet sich als Parlamentarische Demokratie; jedoch wird die Politik des Landes in weiten Teilen von der Administration des Präsidenten Teodoro Obiang Nguema Mbasogo dominiert, der seit 1979 regiert. Nach Informationen des deutschen Auswärtigen Amts, verbessert sich die Menschenrechtslage, die in der Vergangenheit immer wieder von internationalen Organisationen kritisiert wurde, nach und nach.

Die wichtigsten Wirtschaftspartner Äquatorialguineas sind die USA, die Volksrepublik China, Spanien, Frankreich und die Elfenbeinküste. Neuerdings hat auch Deutschland entdeckt, dass Äquatorialguinea interessante Geschäftsmöglichkeiten bietet. Die deutschen Exporte nach Äquatorialguinea stiegen 2007 gegenüber dem Vorjahr um 64 Prozent auf 27 Millionen EUR. In der gleichen Zeit exportierte Äquatorialguinea Güter im Wert von 99 Millionen EUR nach Deutschland. Mit der Einrichtung von Direktflügen von Frankfurt nach Malabo durch Lufthansa im April 2008 können Geschäftsleute schneller und bequemer in das Land gelangen.

Das touristische Potenzial Äquatorialguineas ist sehr vielfältig, wurde aber bis jetzt nicht genutzt. Die traditionsreiche Kultur der ansässigen Bevölkerung, vulkanische Insellandschaften mit einsamen Stränden, Mangrovenwälder an der Küste, tropische Wälder mit selten Tierarten wie Gorillas, Schimpansen, Leoparden und Waldelefanten sind einige der faszinierenden Facetten dieses Landes.

Derzeit baut die deutsche Firma Dywidag im Osten des Festlandgebietes den dritten Flughafen des Landes. Dies wird die Region und den dortigen Nationalpark für Touristen leichter erreichbar machen. Wer sich nicht vom feuchtwarmen tropischen Klima, dem Fehlen von touristischer Infrastruktur und der starken Präsenz von Sicherheitskräften einschüchtern läßt, kann schon heute als Tourist in alle Gegenden des Landes reisen. Die einzigen Bedingungen sind Visum, Gelbfieber-Impfung (verpflichtend) und andere Vorsorgeimpfungen, Reise- und Fotoerlaubnis, Spanisch- oder Französischgrundkenntnisse, Abenteuerlust, Improvisationstalent und viel Geduld.

Botschaft der Republik Äquatorialguinea
Rohlfsstr. 17-19
14195 Berlin, Germany
Tel.: +49 30 / 88 66 38-77
Fax: +49 30 / 88 66 38-79
E-Mail: botschaft@guinea-ecuatorial.de
Internet: www.botschaft-aequatorialguinea.de

Offizielle Webseite des Landes: http://guinea-equatorial.com


Länderinformation:

Staatsform: Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt: Staatspräsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo
Hauptstadt: Malabo
Fläche: 28.051 km2
Bevölkerung: ca. 612.000 Einwohner
Korrespondenzsprachen: Spanisch, Französisch
Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes

Wirtschaftslage

BIP 2008: 14,11 Mrd. EUR*
BIP pro Kopf 2008: 21.140 EUR*
Reales BIP-Wachstum 2008: 7,4%
Prognose 2009: -5,4%
Inflationsrate 2008: 6,4%
Prognose 2009: 4,1%
Gesamtimport 2008: 2,24 Mrd. EUR*
aus Deutschland: 22,9 Mio. EUR
Gesamtexport 2008: 11,07 Mrd. EUR*
nach Deutschland: 104,9 Mio. EUR

* geschätzt

Quellen: Botschaft der Republik Äquatorialguinea in Berlin, IWF, Weltbank, Statistisches Bundesamt