Die Renaissance Äthiopiens
Äthiopien war vor mehr als 3,5 Millionen Jahren die Heimat der Vorfahren der Menschheit. Die Entdeckung von Lucy, Australopithecus Afarensis, im Jahr 1978 und die folgenden archäologischen und anthropologischen Funde an den nördlichen Gebirgskämmen der großen Grabensenke, die das ganze Land durchzieht, haben gezeigt, warum Äthiopien als die Wiege des Homo Sapiens bezeichnet wird. Die Naturwunder des Landes reichen vom heißesten Punkt der Erdoberfläche, dem Feuerbrunnen des Vulkans Erta Ale in der Danakil-Wüste, über die Sophomore-Höhlen und das Bale-Hochland im Süden bis zum 4.620 m hohen Ras Dahsen, dem höchsten Berg der nord-äthiopischen Semen-Gebirgskette. Zur endemischen Fauna des Landes gehören der äthiopische Steinbock, die Bergnyala und der äthiopische Wolf sowie verschiedene Vogelarten. Außerdem gibt es unzählige endemische Pflanzen. Vor allem ist Äthiopien mit seinen vielen ethnischen Gruppen und mehr als 80 unterschiedlichen Sprachen sowie den vielen alten und lebendig gebliebenen Religionen, die in einer beeindruckenden Harmonie nebeneinander existieren, eines der kulturell heterogensten und vielfältigsten Länder Afrikas.
Äthiopien blieb während seiner langen Geschichte immer unabhängig und wurde so zur Inspiration des Freiheitskampfes gegen die Kolonialisierung in Afrika. Zu den Zeugnissen der äthiopischen Geschichte gehören die herausragenden architektonischen Leistungen der Axumiten im ersten Jahrtausend, welche die wundervollen in Stein geschlagenen Kirchengebäude bei Lalibela entwickelten, die als achtes Weltwunder gelten. Die später entstandenen Paläste von König Fasilides und der folgenden kaiserlichen Herrscher stellen die bemerkenswerten Anfänge der modernen afrikanischen Architektur dar. Mehr als ein Jahrtausend hatte eine starke Zentralregierung Äthiopien regiert. Das Land zerbrach 1769 durch die Gier und Rivalität regionaler Feudalherren, die viel Unterstützung von Kolonialinvasoren erhielten. Der Prozeß der Wiedervereinigung begann erst wieder mit der Krönung des ersten gemeinsamen Königs der Könige von Äthiopien, Kaiser Tewodros II im Februar 1855.
In der Schlacht von Adwa gelang Äthiopien durch die Abwehr der italienischen Kolonialinvasoren ein historischer Schlag. Seitdem spielte das Land im afrikanischen Freiheitskampf eine Schlüsselrolle. Deshalb wurde die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba auch als Hauptsitz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU; heute AU) gewählt. Die Hauptstadt Äthiopiens ist auch Sitz der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika (UN/ECA) und anderer Zweigstellen internationaler und regionaler Organisationen.
Heute ist Äthiopien mit einer Einwohnerzahl von 77 Millionen ein sehr großer potenzieller Markt und eine Quelle qualifizierter Arbeitskräfte. Das Land besitzt endlose Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung, nicht genutztes Potenzial im Bergbau sowie gewaltige Wasserressourcen zur Stromerzeugung und Bewässerung. Auch die Stromerzeugung in Windkraftwerken hat in Äthiopien an unzähligen Standorten gute Zukunftsaussichten.
Die Landwirtschaft, das Standbein der äthiopischen Wirtschaft, ist zum Hauptanziehungspunkt für einheimische und ausländische Investitionen geworden. Äthiopien wurde in weniger als zehn Jahren zum größten Exporteur von Gartenbauprodukten. Kaffee-, Tee-, Gewürz-, Baumwoll- und Sesamplantagen werden vergrößert, um auch hier die Exportvolumina zu erhöhen. Äthiopien entwickelt sich außerdem zum größten afrikanischen Zuckerexporteur.
Die Entwicklungen in Industrie und Infrastruktur, Land- und Lufttransport (die Ethiopian Airlines ist eine der wichtigsten afrikanischen Verbindungsfluglinien), die Vielzahl starker inländischer Finanzinstitute und zweckmäßiger Verwaltungsverfahren haben Äthiopien zu einem interessanten Investitionsstandort in Afrika gemacht. Äthiopien ist heute nicht nur ein innerlich stabiles Land am Horn von Afrika, sondern auch ein zuverlässiger Garant für Frieden und Stabilität, da seine Demokratie tief verwurzelt ist. Äthiopien ist ein sicheres Land, auch im Vergleich mit Industrienationen. Seine Wirtschaft wächst unter den afrikanischen Ländern, die kein Erdöl fördern, am schnellsten. Der Justiz- und Verwaltungsapparat des Landes wurde anhand des hochmodernen Business Process Reengineering (BPR) drastisch reformiert, um effiziente Dienste zu erbringen.
Äthiopien hat große Anstrengungen unternommen, um die Armut zu bekämpfen und um das verzerrte Bild zu korrigieren, das nach der Hungersnot von 1984/1985 in der Welt entstand. Das Land hat hervorragende Fähigkeiten bei Frühwarn- und Liefermanagementsystemen entwickelt und es geschafft, die mehr als sieben Millionen Einwohner, die unter ständig unsicherer Nahrungsversorgung litten, zu versorgen. Der nationale Entwicklungsplan für die Jahre 2006 bis 2011 ist der Rahmen für die Programme zur Reduzierung der Armut. Schon in den letzten fünf Jahren wurden erstaunliche Verbesserungen der Indikatoren für humanitäre Entwicklung erzielt.
Die Grundlage der Erfolge ist hauptsächlich das zweistellige Wirtschaftswachstum in fünf aufeinander folgenden Jahren. Entsprechend dem Nationalschwur, der von allen Gesellschaftsschichten im September 2007 abgelegt wurde, sind die Äthiopier fest entschlossen, die hart erkämpften und bisher erreichten Entwicklungen zu erhalten und damit die Renaissance ihres Heimatlandes sicherzustellen. Die Renaissance Äthiopiens ist eine Rückbesinnung auf das Erbe der alten Zivilisation und soll das Land innerhalb der nächsten 20 bis 25 Jahre in den Kreis der Staaten mit mittleren Einkommen integrieren.
Die Verbindung zwischen Deutschland und Äthiopien geht auf das frühe 17. Jahrhundert und den ersten Kontakt mit christlichen Missionaren zurück. Der von den beiden damaligen Kaiserstaaten am 7. März 1905 unterzeichnete Freundschaftsvertrag legte den Grundstein für die diplomatischen Beziehungen. Im Jahr 2005 wurde das hundertjährige Jubiläum der ununterbrochenen diplomatischen Beziehungen herzlich gefeiert.
Auf wirtschaftlichem Sektor ist Deutschland der führende Handelspartner Äthiopiens. Deutschland importiert landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Kaffee und Blumen, aber auch Schuhe, und es exportiert Schwermaschinen, Lkw, Pkw, Medikamente und Industriechemikalien. Ethiopian Airlines und Lufthansa haben ein Codesharing-Abkommen. Auch wenn bereits viele deutsche Investoren in Äthiopien arbeiten, wünschen wir uns einen weit stärkeren Zufluss zur Stärkung der Verbindung beider Länder.
Äthiopien ist einer der am stärksten Begünstigten der wirtschaftlichen und technischen Zusammenarbeit mit Deutschland. Eines der besten Entwicklungsprogramme in Äthiopien ist das mit Hilfe der deutschen Bundesregierung durchgeführte Engineering Capacity Building Program (ECBP). Äthiopien profitiert von der technischen Unterstützung durch Deutschland, sowohl durch Schulungsexperten als auch durch die direkte Einbindung deutscher Fachleute in unterschiedliche inländische Projekte.
Im kulturellen Bereich überträgt die Deutsche Welle über DW-Radio täglich ein einstündiges Programm in amharischer Sprache nach Äthiopien. Es gibt unzählige äthiopische Restaurants in Deutschland. In Addis Abeba existiert eine deutsche Bäckerei und ein Biergarten. Die Präsenz unterschiedlicher Organisationen wie z. B. des Goethe-Instituts, der Deutschen Botschaftsschulen und der Auslandsgemeinde der Evangelischen Kirche in Deutschland in Äthiopien auf der einen Seite und mehrerer äthiopisch-orthodoxer Kirchen in Deutschland auf der anderen Seite halfen, die Verbindungen weiter zu stärken.
Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien
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Tel.: +49 30 / 772 06-0
Fax: +49 30 / 772 06-24
E-Mail: emb.ethiopia@t-online.de
Internet: www.aethiopien-botschaft.de
Offizielle Website: www.moinfo.gov.et
Länderinformation
Staatsform: Föderale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident Girma Woldegiorgis
Hauptstadt: Addis Abeba
Fläche: 1,1 Mio. km2
Bevölkerung: 77,127 Mio. Einwohner
Korrespondenzsprachen: Amharisch, zweite Verkehrssprache Englisch
Währung: 1 Äthiopischer Birr = 100 Santim
Wirtschaftslage
BIP 2008: 17,56 Mrd. EUR*
BIP pro Kopf 2008: 560 EUR*
Reales BIP-Wachstum 2008: 8,4%
Prognose 2009: 6,5%
Inflationsrate 2008: 25,3%*
Prognose 2009: 42,2%
Gesamtimport 2008: 4,353 Mrd. EUR*
aus Deutschland: 107,4 Mio. EUR
Gesamtexport 2008: 1,007 Mrd. EUR*
nach Deutschland: 108,3 Mio. EUR
Im Zuge des Kolonialismus wehrte sich Äthiopien immer wieder erfolgreich gegen die Einflussnahme europäischer Mächte, zunächst gegen Großbritannien, dann gegen Italien. Als Folge der Dürrekatastrophe von 1973 wurde Kaiser Haile Selassie 1974 gestürzt und das Land zu einer sozialistischen Volksrepublik. Nach einer erneuten Hungersnot Mitte der 1980er Jahre kollabierte das Regime 1991. Seitdem bestimmen Konflikte um das unabhängig gewordene Eritrea die Region.
Die deutsch-äthiopischen Beziehungen bestehen offiziell seit über 100 Jahren und sind traditionell gut. Deutschland ist der größte Abnehmer äthiopischer Waren, vor allem von Kaffee. Deutsche Exporte nach Äthiopien sind hauptsächlich Maschinen, Motoren, Kraftfahrzeuge, Chemikalien und Medikamente. Nach Unterzeichnung eines Investitionsschutzabkommens im Januar 2004 beginnen deutsche Unternehmen auch in Äthiopien zu investieren.
Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Fast 50 Prozent des BIP entfallen auf die Landwirtschaft, die allerdings stark niederschlagsabhängig ist. Auch in Jahren mit guter Ernte ist ein Teil der Bevölkerung von Nahrungsmittelhilfe abhängig. Der Industriesektor bleibt trotz einiger Investitionen noch schwach und trägt nur weniger als 12 Prozent zum BIP bei. Es handelt sich weitgehend um Leichtindustrie wie Nahrungsmittel, Textilien oder Lederverarbeitung. Unter den Herkunftsländern äthiopischer Importe stehen China, Saudi Arabien, Italien, Indien und Japan an vorderster Stelle. Wichtigste Importgüter sind Kapital- und Investitionsgüter, Verbrauchsgüter und Treibstoffe.
Äthiopien hat die Mitgliedschaft in der WTO beantragt und ist Mitglied der regionalen Wirtschaftsorganisation COMESA.
* geschätzt 2008
Quellen: Äthiopische Botschaft Berlin, IWF, Weltbank, Statistisches Bundesamt