Die Republik Angola – portugiesische Kolonie bis 1975 – ist seit Ende des Bürgerkrieges im Jahre 2002 zu einer der wichtigsten Wirtschaftsnationen des südlichen Afrikas aufgestiegen. Seit mehreren Jahren weist das Bruttoinlandsprodukt zweistellige Wachstumsraten auf, das internationale Interesse an der Aufnahme von Handelsbeziehungen oder der Vornahme von Direktinvestitionen ist dementsprechend groß.
Die spezifische Situation Angolas ergibt sich aus der Kombination von hohen öffentlichen Einnahmen aus Ressourcenverkäufen (v. a. Erdöl, Diamanten) und den notwendigen milliardenschweren Investitionen in den Wiederaufbau des Landes. Die Hilfe des Auslandes ist dabei wesentlich, da Angola (noch) nicht in der Lage ist, technologisch anspruchsvolle Projekte alleine zu realisieren und die Menge an qualifizierten Arbeitskräften äußerst gering ist.
Deutschland, in früheren Zeiten wirtschaftlich gut in Angola positioniert, rangiert aktuell unter ferner liefen. China (bilaterales Handelsvolumen 2008 über 30 Mrd. EUR), Brasilien, die USA, Südkorea oder auch Portugal (größter Exporteur nach Angola mit ca. 1,8 Mrd. EUR) sind weitaus präsenter im Land. Deutsche Unternehmen beginnen nur langsam, sich für Angola zu interessieren, was auch an der guten Auslastung der Unternehmen vor der Finanzkrise und der traditionell starken Hinwendung nach Osteuropa und Asien liegt. Immerhin ist Angola für deutsche Unternehmen zum zweitwichtigsten Exportmarkt im südlichen Afrika geworden. Nach vorläufigen Zahlen nahmen die Ausfuhren im Jahr 2008 um 8,5 Prozent auf rund 402 Mio. EUR zu.
Auf mittlere Sicht scheint Angola trotz der aktuellen Wachstumsdelle an geplanten oder bereits begonnenen Großprojekten festzuhalten. Die bedeutendsten industriellen Vorhaben sind in der Erdölindustrie angesiedelt: 100 Mrd. USD sollen bis 2015 in neue Bohrstellen investiert werden. Umfangreiche Mittel sind auch zur Diversifizierung des Bergbaus vorgesehen. Um die Abhängigkeit vom Diamantensektor zu schmälern, sollen der Kupfer- und Eisenerzbergbau bis 2012 rund drei Mrd. USD aus der Staatskasse erhalten. Im Infrastrukturbereich stehen vor allem Investitionen in die Verkehrswege auf dem Programm. Mehrere 100 Mio. USD fließen in die Instandsetzung des Eisenbahnnetzes und der wichtigsten Handelshäfen des Landes. Für den Straßen- und Brückenbau hat das Ministry of Public Works zwei Mrd. USD bis 2011 zur Verfügung gestellt (Vgl. Germany Trade and Invest: Drastischer Wachstumseinbruch für Angola Wirtschaft, März 2009).
Deutsche Unternehmen können mittlerweile in Angola auf politische Stabilität, geringe Inflation und Investitionsschutz vertrauen. Die Qualität deutscher Industrie- und Handelsprodukte wird hoch geschätzt. Liefermöglichkeiten bestehen insbesondere für Zulieferer von Anlagen und Ausrüstungen, aber auch für Hersteller von hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern. Allerdings ist die Anbahnung von Geschäften und Investitionen noch mühselig und wird erschwert durch langwierige Prozeduren der Betriebsgründung, geringe Potenziale an gut ausgebildeten einheimischen Arbeitskräften, eine stark verbesserungswürdige Infrastruktur, ein unterentwickeltes Rechtssystem und unbekannte Gepflogenheiten im Wirtschaftsleben. Hohe Start-up-Kosten und die Dominanz der portugiesischen Sprache sind ebenfalls als Herausforderung nicht zu unterschätzen.
Die mittel- und langfristigen unternehmerischen Chancen aber sind hoch. Der Besuch des angolanischen Staatspräsidenten Eduardo dos Santos im Februar 2009 in Berlin war ein wichtiges Zeichen im Rahmen des Ausbaus der gegenseitigen Beziehungen. Der Präsident rief die anwesenden Unternehmen des 2. Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforums insbesondere zu Engagements in den Sektoren Energie, Wasser (Gewinnung, Aufbereitung, Verteilung), Bergbau, Gesundheit, Wohnungsbau und beruflicher Ausbildung auf.
Deutsche Unternehmen sollten vor dem Hintergrund des großen Potenzials ein Engagement in Angola ernsthaft ins Auge fassen und nicht mehr zu lange zögern. Angolas Regierung – daran lassen die jüngsten Aussagen des Präsidenten und seiner Minister keinen Zweifel – ist sehr an einer stärkeren Rolle deutscher Unternehmen in Angola interessiert.
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