Afrika war für Deutschland wirtschaftlich, politisch und wissenschaftlich bislang eher marginal. Die ohnehin geringe wirtschaftliche Bedeutung des Kontinents für Deutschland hat seit den 1950er Jahren weiter abgenommen; die deutsche Afrikapolitik ist im Inland weitgehend unsichtbar; in den großen Sozialwissenschaften kommt der Kontinent immer weniger vor. Wahrgenommen wird er in erster Linie im Zusammenhang mit Hunger, Kriegen und anderen Katastrophen, als internationaler Sozialfall.
Seitdem die Hallstein-Doktrin obsolet geworden ist, verfolgt Deutschland keine „harten“ politischen Interessen auf dem Kontinent mehr, sondern versteht sich dort in erster Linie als Zivilmacht: Die deutsche Außenpolitik in Afrika ist in erster Linie Entwicklungspolitik. Dies ist begleitet von einer Inflation des Partnerschaftsbegriffes, die verdeckt, dass afrikanische Eliten dem von westlicher Seite unisono vorgeschlagenen Entwicklungsparadigma kaum etwas entgegenzusetzen haben. Auf deutscher Seite verhindert dieses die klare Formulierung eigener Interessen, die damit überhaupt erst diskutierbar würden, und auf deren Grundlage eine echte Partnerschaft möglich wäre. Zurzeit gibt es kleine Hoffnungsschimmer, dass die politische Marginalisierung Afrikas in Deutschland zurückgeht. Wirtschaftliche Entwicklung wird auf Dauer nur möglich sein, wenn sie nicht nur auf dem Transfer öffentlicher Mittel beruht, sondern auch private Akteure Investitionschancen in Afrika sehen.
Für die Zukunft wünsche ich mir einen echten deutsch-afrikanischen Dialog über Entwicklungsoptionen, jenseits des herrschenden Modells einer neopatrimonialen Rentenökonomie und den diesen reflexhaft entgegengesetzten neoliberalen Utopien. Für einen solchen Dialog wäre auf deutscher Seite eine Stärkung der Afrika-Kompetenzen der Sozial- und Kulturwissenschaften dringend erforderlich.