africa: Businessguide 2010


Steinmeier

Dr. Frank-Walter Steinmeier

Bundesminister des Auswärtigen



 

Afrika im Aufbruch – Chancen für die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit

Afrika ist im Aufbruch. Es steht damit stellvertretend in einer Zeit, in der vieles in Bewegung ist. Gleichzeitig ist Afrika in jüngster Zeit ganz zu Recht immer mehr in den Fokus des globalen Interesses gerückt. Bislang schien Afrika noch immer weit weg zu sein. Ich meine: Zu weit! Wir wissen zu wenig über diesen Kontinent, dessen Länder und Gesellschaften. Wir haben daher schon 2007 die deutsche G8- und EU-Ratspräsidentschaft dafür genutzt, dass Afrika den ihm gebührenden prominenten Platz auf der internationalen Agenda erhält.

Im Dialog mit unseren afrikanischen Partnern haben wir einen Aktionsplan vereinbart, der so zentrale Probleme behandelt wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung oder wirtschaftliche Entwicklung. Wir setzen bei unserer politischen Partnerschaft mit Afrika ganz bewusst auf die Unterstützung der Kräfte vor Ort, damit Afrika seine Probleme eigenständig lösen und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Für diesen Weg steht auch unsere „Aktion Afrika“. Damit wollen wir die Menschen unmittelbar ansprechen, durch Sport und Schüleraustausch, durch Stipendienprogramme oder auch durch Kulturwochen.

Um die Herausforderungen des 21. Jahrhundert zu meistern, brauchen wir alle wichtigen Akteure an Bord. Wir wollen sie als Partner auf Augenhöhe. Grundlage ist: faire Regeln für alle! Die Gründung der Afrikanischen Union (AU) im Jahr 2002 und der "Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas" (NEPAD), ebenso wie die gestärkte Rolle der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften (REC) in Afrika und das Heranwachsen einer neuen politischen Elite in den afrikanischen Staaten signalisieren wichtige Veränderungen. Sie weisen alle in die richtige Richtung. Denn Afrika bietet vielfältige Chancen, die es zu nutzen gilt.

Nach wie vor ist die EU bedeutendster Handelspartner Afrikas und größter Exportmarkt für afrikanische Waren. So gehen rund 85% der Baumwoll-, Obst- und Gemüseausfuhren Afrikas in die Europäische Union. Vor allem aber bietet Europa in der Entwicklungszusammenarbeit zukunftsweisende partnerschaftliche Ansätze. Wir wollen unsere Energie nicht in kleinteiligen Projekten zersplittern. Zusammen mit der AU-Kommission und den Regierungen der AU-Mitgliedstaaten arbeiten wir an einem großen Ziel: Wir wollen die Voraussetzungen für die von Europa und Afrika in der „Gemeinsamen Strategie“ genannten gemeinsamen Werte wie Entwicklung, gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit schaffen.

Das Bild Afrikas wird zwar immer noch durch Krisenherde wie Somalia, Sudan oder Simbabwe geprägt. Auch die gegenwärtigen Finanz-, Wirtschafts- und Nahrungsmittelkrisen sind sehr ernst zu nehmen. Aber ich bin davon überzeugt, dass Afrika diese Probleme mit zunehmender Einbindung in die Weltwirtschaft bewältigen wird. Hätten Sie gewusst, dass drei der sieben Länder, deren Volkswirtschaften 2008 weltweit am schnellsten wuchsen, in Afrika liegen? Es sind Angola, die Demokratische Republik Kongo und Uganda. Die Bundesregierung sieht daher in Afrika einen neuen Schwerpunkt deutscher Außenwirtschaftspolitik. Das deutsche Engagement passt sich in den Rahmen und in die Ziele der EU-Afrika-Strategie ein. Durch eine politische EU-Afrika-Partnerschaft nimmt sie Fragen und Probleme von gemeinsamen Interesse auf, wie

 Migration, Frieden und Sicherheit, Menschenrechte, Wissenschaft, Klima und Umwelt;
 die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele durch die afrikanischen Staaten bis 2015 und die Förderung von Frieden und Sicherheit, nachhaltiger Entwicklung, Menschenrechten und guter Regierungsführung;
 ein abgestimmtes Vorgehen der beiden Seiten in internationalen Foren und Abstimmung bei globalen Fragen;
 die Förderung einer Partnerschaft, die die Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Zivilgesellschaft einbindet.

Wir werden die Herausforderungen nur meistern, diese Ziele nur dann erfolgreich umsetzen und die gegenwärtige Krise bewältigen, wenn wir zusammenarbeiten. Die afrikanisch-europäische, die afrikanisch-deutsche Zusammenarbeit ist von überragender Bedeutung. Mit der EU-Afrika-Strategie und den zu ihrer Umsetzung entwickelten Aktionsplänen haben wir die Grundlage geschaffen, um sie nachdrücklich verfolgen zu können. Ich bin mir ganz sicher – gerade die Unternehmen in Deutschland werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

Sie als Unternehmer, die sich aktiv in Afrika engagieren, sind besonders eingeladen, an der Umsetzung der Strategie mitzuwirken. Handel, Investitionen und Erfahrungsaustausch sind der Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft. Ich freue mich, dass die Wegweiser GmbH Berlin und der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft den deutschen Unternehmen ein Kompendium an die Hand geben, das die Facetten und Chancen des in jeder Beziehung so reichen afrikanischen Kontinents vorstellt. Handel schafft Wandel. Lassen Sie uns die Chance zum Wandel gemeinsam nutzen.